Die Bretagne ist das Land einer alten Nation im Nordwesten Europas. Es umfasst die Départements Côtes-d’Armor, Finistère, Ille-et-Vilaine und Morbihan. Die Hauptstadt und der Verwaltungssitz ist Rennes im Südwesten der Bretagne. Insgesamt leben 3,1 Millionen Einwohner in der Bretagne, die circa 5% der Fläche Frankreichs ausmacht.

Die Bretagne war bereits in der Steinzeit besiedelt, aber erst ab 5000 v. Chr. wurden die Menschen hier sesshaft und lebten von der Jagd, dem Ackerbau und natürlich dem Fischfang. Ab dieser Zeit entstanden auch die Megalithanlagen, also Grab- und Kultanlagen aus unbehauenen Steinblöcken.

In den letzten Jahrhunderten v. Chr. lebten auf der bretonischen Halbinsel keltische Stämme, die erst 56 v. Chr. von Caesars Legionen besiegt wurden. Es begann die Romanisierung der Bretagne, die mit dem Niedergang des Römischen Reiches um ca. 450 n. Chr. ihr Ende fand. Es wanderten anschließend christianisierte Waliser auf die bretonischen Halbinsel ein und die Siedlungsgebiete der heidnischen Sachsen, Angeln und Jüten dehnten sich etwa zwei Jahrhunderte lang immer weiter auf der britischen Hauptinsel aus.

Um 600 gründeten die Bretonen nach Machtkämpfen ein Königreich, das 200 Jahre Bestand hatte und erst 799 durch den fränkischen Herrscher Karl den Großen zerschlagen wurde.

845 besiegte der bretonische Graf Nominoë den westfränkischen König Karl den Kahlen in der Schlacht von Ballon und machte aus der Bretagne ein unabhängiges Reich. Aber es kam wie schon Jahrhunderte zuvor zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Gebieten. So endete die Zeit des Königtums in der Bretagne um die Jahrtausendwende, gefolgt von der Etablierung unzähliger kleinerer Herzogtümer, die ständig um das Land stritten.

Das Gebiet des bis ins 15. Jahrhundert eigenständigen Herzogtums Bretagne dehnte sich im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen mit Normannen und Franzosen mal mehr, mal weniger weit aus. Anne de Bretagne (1477-1514) war die letzte unabhängige Herrscherin der Bretagne.

Ab etwa 1700 entwickelte sich allmählich das Neubretonische. War es in vergangenen Zeiten der Fremdherrschaft schon schwierig, die bretonische Sprache und Kultur zu erhalten, so spitzte sich das nach der Französischen Revolution noch zu. Die Franzosen verboten die bretonische Sprache und die freie Religionsausübung der dort lebenden Katholiken. Doch die Sprache und Kultur blieb erhalten, getragen von der Mehrheit der Bevölkerung und Gruppen von Unabhängigkeitskämpfern.

Im Ersten Weltkrieg kamen etwa 10 % der Gesamtbevölkerung, also etwa 240.000 Soldaten, ums Leben. Das war jeder vierte Bretone, der in den Krieg gezogen war. Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung der 30er Jahre brach der Zweite Weltkrieg aus und die meisten Küstenstädte wurden weitestgehend zerstört. Präsident Charles de Gaulle setzte 1951 ein Komitee zur Förderung der Interessen der Bretagne ein, das die bretonische Kultur und Sprache förderte. Durch diese Unterstützung seitens der Regierung erlebte die Region einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung.

Wie schon vor über 7000 Jahren spielt heute die Landwirtschaft und die Fischerei eine große Rolle in der Bretagne. So gelten Austern aus Cancale seit Jahrhunderten als die besten Austern Frankreichs. Die traditionelle bretonische Küche ist neben Fischen und Meeresfrüchten eher ländlich geprägt. Neben Fleisch spielten vor allem Milchprodukte wie gesalzene Butter und natürlich Crêpes (bret. krampouezh) eine große Rolle. Zu Weltruhm hat es der bretonische Cidre gebracht.